Coburg, Landestheater - So. 27. Oktober 2019

"Der Vetter aus Dingsda" (Operette)

Am Sonntag, 6. Oktober um 18 Uhr wird die beliebte Produktion aus der vergangenen Spielzeit, Eduard Künnekes Operette "Der Vetter aus Dingsda", im Großen Haus wiederaufgenommen. Zu schmissigen Foxtrott-, Tango- und Walzerrhythmen und schwelgerischen Melodien wird gefoppt, geneckt, geschwindelt und geliebt, bis am Ende der Verwechslungskomödie jeder Topf seinen passenden Deckel findet.
Wer kennt sie nicht, lästige Verwandte, die man "am liebsten nur von hinten sieht"? Besonders solche wie den gefräßigen Onkel Josse und die trunksüchtige Tante Wimpel, die zu allem Übel ihrem Mündel Julia de Weert noch ihren Neffen August Kuhbrot als Ehemann schmackhaft machen wollen. Aber Julia liebt nur einen: ihren Vetter Roderich. Der ist allerdings vor sieben Jahren nach "Dingsda", einer Stadt im Indischen Ozean, aufgebrochen und hat seither nichts mehr von sich hören lassen. Just da tauchen gleich zwei Fremde auf, die behaupten, Roderich zu sein - wer ist nun der Richtige?
Regisseur Jörg Behr entwickelte gemeinsam mit dem Bühnen- und Kostümbildner Marc Weeger ein besonderes Bühnenkonzept für Künnekes Operette: Eine grüne Gartenoase, in der die Figuren gestrandet sind. Ein Blumenmuster der 20er Jahre - der "Vetter" wurde 1921 in Berlin uraufgeführt - war die Inspiration für die kulissenhafte Bühne. Wichtig war Jörg Behr auch, den Zeitkontext miteinzubeziehen, denn trotz aller lustigen Verwechslungen und Verkleidungen sind die Folgen des ersten Weltkriegs im Werk omnipräsent. Und es gibt noch eine Besonderheit - das Orchester sitzt mit auf der Bühne (Musikalische Leitung: Paul Willot-Förster). "Es geht in diesem Stück viel um Sehnsüchte - so wartet Julia schon seit sieben Jahren auf die Rückkehr ihres geliebten Vetters Roderich! Deshalb wollten wir das Orchester als "Emotions- und Sehnsuchtsmaschine" mit auf die Bühne setzen.", so der Regisseur.

"Ist ein Opernbesuch so natürlich wie ein Waldspaziergang?" "Ganz bestimmt", hätte der Komponist Leoš Janácek als überzeugter Panslawist auf Tschechisch geantwortet, obwohl er fehlerfrei Deutsch sprach. Er schaute gern seinen Mitmenschen auf den Mund und komponierte, wie sie in ihrer Muttersprache kommunizierten.

Mit seiner "Sprechmelodie" revolutionierte er das Musiktheater des frühen 20. Jahrhunderts. Das natürlich Fließende war für ihn aber keine Sensation, sondern Inspiration. Kein Wunder, dass er seine Oper "Das schlaue Füchslein" daher auch für sein bestes Werk hielt.

Die fabelartige Handlung spielt in der Natur und in einem kleinen Dorf, wo Förster, Pfarrer und Lehrer um die Gunst einer Zigeunerin werben, die das Publikum nie zu Gesicht bekommt. Die Heldin aber ist eine Füchsin, die gefangen wird, ihre Freiheit wieder erlangt und doch schließlich als Muff endet. Das ist brutal, aber das ist auch der Gang der Dinge, würde Leoš Janácek wieder auf Tschechisch sagen.

Er und sein Freund Antonín Dvorák teilten die Auffassung, dass die Beobachtung der Menschen und der Landschaften, in denen sie leben, vieles von dem liefert, was die Komposition von Musik zu etwas Besonderem macht. In der Natur fand vor allem Leoš Janácek, was andere in Philosophie oder Religion vermuteten: große Zusammenhänge im Kleinen - und so klingt auch seine Musik, die gleichzeitig große Geste und winziges Klang-Gewimmel sein kann. Janácek wuchs wie Erich Wolfgang Korngold (siehe: "Die stumme Serenade") in Brünn auf. Dieser traditionsreichen Musikstadt widmet sich das Landestheater Coburg 2016/2017 gleich doppelt. Einfach so, weil es im Laufe der Musikgeschichte natürlich erscheint. Das hätte Leoš Janácek sicher gefreut.