Bayreuth, Das Zentrum - Europasaal - Mi. 1. April 2020

"Leselust-Festival": Deniz Yücel liest aus seinem Buch "Agentterrorist"

Kurzfristig ist es den Organisatoren des Leselust-Festivals gelungen, noch ein äußerst spannendes, aktuelles und politisch relevantes Thema in das Line-Up aufzunehmen: Deniz Yücel kommt nach Bayreuth! Zehn Monate saß der "Welt"-Journalist im türkischen Hochsicherheitsgefängnis Silivri Nr. 9. Seiner Verhaftung folgte eine Welle an Solidaritätsbekundungen von Journalisten und der deutschen Bevölkerung, die seine Freilassung forderten. Über diese turbulente Zeit schreibt er in seinem neuen Buch "Agentterrorist", aus welchem er am 1. April im ZENTRUM lesen wird.

"Niemals" werde man Deniz Yu?cel nach Deutschland ausliefern, erkla?rte der tu?rkische Staatspra?sident Recep Tayyip Erdogan im Fru?hjahr 2017 - jedenfalls nicht, solange er im Amt sei.
Zu diesem Zeitpunkt befand sich der deutsch-türkische Journalist seit zwei Monaten im Hochsicherheitsgefängnis Silivri Nr. 9 bei Istanbul. Zehn Monate später wurde er unterabenteuerlichen Umständen endlich freigelassen. Die Inhaftierung des Türkei-Korrespondenten der "Welt" führte in Deutschland zu einer riesigen Solidaritätsbewegung und sorgte für die größte Belastung der deutsch-türkischen Beziehungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Zugleich entfachte der Fall in Deutschland eine Debatte über das Verhältnis der Deutschtürken zu beiden Ländern. In seinem Buch "Agentterrorist" erzählt Deniz Yücel, wie er dieses Jahr in Einzelhaft verbrachte, welchen Schikanen er ausgesetzt war und wie es ihm gelang, immer wieder die Überwachung zu überlisten. Er schildert, was ihm die Unterstützung seiner Frau Dilek Mayatürk und die "Free Deniz"-Kampagne bedeuteten und warum der Kühlschrank das sicherste Versteck in der Gefängniszelle ist. Es ist eine Geschichte von Willkür und Erpressung, aber auch eine Geschichte von Solidarität, Liebe und Widerstand. Zugleich zeichnet Deniz Yücel die Entwicklung nach, die die Türkei in den vergangenen Jahren durchgemacht hat, vom hoffnungsvollen Aufbruch der Gezi-Revolte über den Kurdenkonflikt, die Flüchtlingskrise und den Putschversuch bis zum vorläufigen Ende: Erdogans Festigung der Macht mit den Wahlen vom Frühjahr 2018.